+ Schwerpunkt Extrem- Frankenpost
Zivilcourage ist unglaublich wichtig

14. April 2019

Jennifer Bernreuther arbeitet in der Extremismusprävention. In Regnitzlosau hat die
Sozialpädagogin eine Stelle in der Jugendarbeit. Die 31-Jährige gibt Einblick in ihren Job.

Was bedeutet Ihnen persönlich Zivilcourage?

Zivilcourage ist für mich persönlich unglaublich wichtig und das fängt schon ganz im Kleinen an. Ich leite einen Jugendtreff:Wenn dort eine Form von Ungerechtigkeit vorkommt, ist es oft auch so, dass sich die Jugendlichen untereinander füreinander einsetzen. Und das finde ich unglaublich wichtig, weil das unsere Demokratie stärkt.

Wie gehen Sie bei der Arbeit mit den verschiedenen Persönlichkeiten der Jugendlichen um?

Wir sind eine total gemischte Gruppe, von Förderschülern bis zu Gymnasiasten ist alles dabei. Ich finde, genau diese Mischung macht’s erst so richtig interessant. Also dadurch, dass die Jugendlichen mit diesen verschiedenen Hintergründen – nicht nur von der Schulbildung, sondern auch von den Elternhäusern – aufeinandertreffen und das gegenseitig dann aushandeln und diskutieren können. Dies finde ich spannend, das finde ich gut.

Wie sind Sie eigentlich zur Jugendarbeit gekommen?

Ich bin gelernte Erzieherin, habe im Kindergarten gearbeitet und habe dann soziale Arbeit studiert, Bachelor und dann den Master. Jugendarbeit ist etwas, was mir unglaublich Freude macht. Da kommt von den Jugendlichen auch richtig was zurück, und ich sehe auch, dass sich da etwas bewegt. Dafür schlägt mein Herz, das mag ich gern.

Wie finden Sie es, dass die Jugend sich immer cooler fühlt und viele Schimpfwörter gebraucht?

Ich weiß nicht, ob ich das so unterstützen würde. Ich erlebe Jugendliche, die sehr reflektiert sind und auch sehr darauf achten, wie sie auftreten. Aber trotzdem schauen sie, dass sie sich nicht verstellen. Also dass sie sich immer cooler fühlen, kann ich so jetzt nicht bestätigen. Wenn ich solche Jugendlichen hätte und Wind von solch einem Verhalten bekomme, dann versuche ich, dem entgegenzuwirken. Es kommt auch an, was ich sage.

Wie wichtig ist für Sie das Verständnis für einander?

Sehr wichtig! Weil das der richtige Weg ist: miteinander statt übereinander.

Sie sagten, Extremismus-Prävention stärkt die Demokratie. Finden Sie, dass die Demokratie geschwächt oder gar in Gefahr ist?

Extremismus-Prävention ist Demokratiearbeit, ist Aushandlung von Positionen, ist, dass jeder in seinem Ich, in seinem Selbst dasteht und sich vertritt und gegenseitig darüber geredet wird. Das ist genau das, was Demokratie ist. Es ist ein unglaublich anstrengendes Regierungssystem, weil es dabei eben genau ums Aushandeln geht und um das Miteinanderreden.

Geraten Sie in Ihrem Beruf an persönliche Grenzen? Wo liegen diese?

Es ist so, dass ich sehr nah an den Jugendlichen dran bin und natürlich auch mitbekomme, wenn diese Sorgen haben oder private Probleme. Und meistens wenden sie sich dann auch an mich. Es ist auch so, dass es dann mal in den Privatbereich geht, allerdings ist es schwierig, dies dann abzugrenzen. Aber ich hoffe und denke, dass mir das sehr gut gelingt.

Haben Sie bereits neue Projekte in Planung?

Ich mach‘ ja ziemlich viel, ich habe ja nicht nur den Jugendtreff. Ich begleite ja
auch die Konfirmanden – und dies sind nur zwei meiner vier Arbeitsbereiche. Ich berede auch mit meinen Konfirmanden solche Vorfälle wie in Chemnitz. Dann unterstütze ich auch pädagogisch den Pfarrer aus Regnitzlosau, da wir dieselbe Einstellung haben und gegen Rassismus arbeiten wollen. Wir sehen auch das Christentum als Religion der Nächstenliebe an, wo verschiedene Ethnien einen Platz haben. Wir sagen aber nicht, dass das Christentum die einzig wahre Religion ist. Wir vermitteln christliche Werte und dazu gehören natürlich auch die Nächstenliebe und die Toleranz.

Das Interview führten Katharina Thierfelder und Anna-Luisa Sprenger

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