+ Schwerpunkt Mitbestimmung+ Träger- Evang. Funkagentur- Süddeutsche Zeitung
Eine helfende Hand

10. März 2021


Vaterstetten/Moosach
– 49 Jahre im Gefängnis. Das ist eine ziemlich lange Zeit. Einen Mann, der in seiner Jugendzeit fünf Menschen tötete, ereilte ein solches Strafmaß. Nach beinahe einem halben Jahrhundert hinter Gittern kam er frei, zunächst auf Bewährung und nur unter der Auflage, in eine betreute Einrichtung zu ziehen – in die Wohngemeinschaft von Norbert Trischler und seiner Frau Ingrid nach Moosach im Landkreis Ebersberg. Dort lebt das Ehepaar mit 17 Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern.

Alle sind sie ehemalige Strafgefangene. Ein eher ungewöhnliches Wohnkonzept. Doch wie kam es dazu? Norbert Trischler ist Pastoralreferent. Seit eineinhalb Jahren betreut er seelsorgerisch obdachlose Menschen. Davor kümmerte er sich 29 Jahre um Strafgefangene in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim in München. Seit 1995 lebt der 64-Jährige mit seiner Frau in einer WG in Moosach mit Ex-Häftlingen zusammen. Die WG ist angedockt

an den 1993 gegründeten Verein Tabor, der sich der Unterstützung Strafentlassener und anderweitig sozial belasteter Menschen verschrieben hat.

„Die eigentliche Problematik fängt für viele erst nach der Entlassung aus dem Gefängnis an“, erklärt Norbert Trischler. Kein Job. Kein Geld. Keine Wohnung. Oft kaum oder gar keine Freunde. Keine Orientierung, wie die Welt „da draußen“ überhaupt funktioniert. „Da brauchen die Betroffenen jemanden, der ihnen die Hand reicht!“

Ansonsten sei der Weg zurück in die kriminelle Szene ein sehr kurzer – die Rückfallquote belaufe sich auf 60 bis

70 Prozent, so Trischler. Und der 64-Jährige weiß, wovon er spricht: In den 29 Jahren, in denen er als Seelsorger in Stadelheim gearbeitet hat, sind ihm viele Menschen begegnet, Menschen mit vielen Problemen. „Jeder brachte

seinen Lebensrucksack mit zu seinem Gespräch mit mir“, erzählt Trischler. Es seien harte Lebensgeschichten, die aus den Rucksäcken gepackt wurden: schlimmer Missbrauch, langjährige Misshandlungen, eine lieblose Kindheit, keine erlebte Geborgenheit. „Wenn ich mir das alles zu eigen gemacht hätte, dann wäre ich nach spätestens zwei Wochen zusammengebrochen“, so Trischler weiter.

Und so fasste er einen Entschluss, ganz im Sinne seiner Selbstbestimmung: ImGespräch wurden die Probleme besprochen, manche konnte man vielleicht sogar gemeinsam lösen – aber nach dem Gespräch muss der Strafgefangene die übrigen Probleme wieder aufklauben, in seinen Rucksack verpacken und mitnehmen. „Jeder

Muss sein Leben auch selbst zu verantworten lernen,“ sagt er. „Ansonsten ist geteiltes Leid einfach nur doppeltes Leid.“

Anstatt die Probleme der Gefangenen zu nah an sich heran zu lassen, fand der 64-Jährige bessere Wege, ihnen zu helfen. So nahm er regelmäßig Zeitungen und Zeitschriften aus den vergangenen Tagen und Wochen mit ins Gefängnis – es war seine Initiative. Die Häftlinge hatten so nicht nur die Möglichkeit, sich die viele Zeit in der Zelle zu vertreiben, sondern Trischler gab ihnen dadurch einen Draht zur Außenwelt, zu dem, was dort geschah, über was die Menschen sprachen. Zeitung lesen reicht aber nicht aus, um nach einer Haftstrafe in ein geregeltes Leben zu finden. Um etwas zu schaffen, das noch stärker einen positiven Effekt auf die Ex-Gefangenen hat, hat das Ehepaar Trischler 1993 den Verein Tabor gegründet – übrigens kennen sich Norbert und Ingrid

Trischler aus dem Gefängnis in Stadelheim. Aber nicht, weil einer von ihnen dort einsaß: Während Norbert Trischler dort hauptberuflich arbeitete, engagierte sich seine Frau ehrenamtlich, irgendwann leiteten

sie gemeinsam eine Gesprächsgruppe. In der Wohngemeinschaft können sich die ehemaligen Strafgefangenen frei bewegen, sie entscheiden selbst, wann sie den Tag beginnen und beenden – wie in jeder anderen WG eben auch. Manche kommen aus freien Stücken, für andere ist der WG Einzug eine ihrer Bewährungsauflagen, so wie bei dem Mann, der nach 49 Jahren Haft in das Moosacher Tabor-Haus kam.

Hausregeln gibt es aber auch dort, wie Trischler sagt, und zu denen zählt ein striktes Verbot von Alkohol, illegalen Drogen und Gewalt. Außerdem ist ein Abend in jeder Woche der Gemeinschaft vorbehalten, dort werden Probleme diskutiert und Pläne für den Haushalt erstellt.

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Der Weg zur Selbstbestimmung

8. März 2021

Stefanie Rösele ist 24 Jahre alt und kommt aus Erding. Seit Dezember 2019 arbeitet sie im Erdinger Frauenhaus. Im Gespräch mit der SZ erzählt die Sozialpädagogin von ihrer Arbeit mit Frauen, die durch gewalt- und leidvolle Partnerschaften ihre Stimme verloren haben.

SZ: Frau Rösele, dürfen Frauen entscheiden, in welches Frauenhaus sie ziehen?

Stefanie Rösele: Ja, das ist uns sehr wichtig. Viele betroffene Frauen informieren sich erst einmal und nehmen Kontakt zu mehreren Frauenhäusern auf. Es ist ja auch so: Wir im Landkreis Erding sind eher ländlich gelegen, wenn eine Frau nun aus einer Großstadt kommt, ist dieser Schritt raus aufs Land oft schwer – das können sich einige einfach nicht vorstellen. Sie gehen dann lieber zum Beispiel in das Frauenhaus nach München. Für andere Frauen ist ein Wechsel von der Großstadt in eine ländliche Gegend aber auch genau das Richtige, das kommt ganz auf den Fall an.

Was passiert, wenn alle Plätze belegt sind – werden Frauen, die bei Ihnen anfragen, dann einfachweiter geschickt?

Bei uns in Erding gibt es Platz für fünf Frauen und sieben Kinder. Sollten wir einmal keinen Platz mehr frei haben und es meldet sich dann aber eine Frau bei uns, dann vermitteln wir sie selbstverständlich weiter an andere Frauenhäuser. Niemand wird einfach weggeschickt.

Wie sieht ein Tag im Frauenhaus aus?

Das ist sehr individuell, die Frauen leben selbständig. Es ist also nicht so, dass wir sagen „um Punkt acht Uhr gibt es Frühstück“ oder etwas ähnliches. Jede Frau lebt nach ihrem Rhythmus und gestaltet ihren Alltag eigenständig. Viele Frauen haben noch beispielsweise Termine bei Behörden, wie zum Beispiel dem Jugendamt, dem Jobcenter oder anderen Beratungsstellen. Manche Frauen arbeiten tagsüber. Von uns gibt es eben verschiedene Freizeitangebote für die Frauen, vor allem auch für deren Kinder. Wir führen aber auch Beratungsgespräche oder begleiten die Frauen zu ihren Terminen.

Wie lange darf man im Frauenhaus bleiben?

Da gibt’s keine Begrenzung. In der Förderrichtlinie des Gesetzgebers stehen zehn Wochen als Regeldauer für einen Aufenthalt, aber in der Praxis lässt sich daran nicht festhalten. Manche Frauen gehen leider schon nach ein oder zwei Wochen zurück zum gewalttätigen Ex-Partner. Manche Frauen bleiben länger. Generell liegt das unter anderem daran, dass es gar nicht so einfach ist, eine eigene Wohnung auf dem freien Wohnungsmarkt zu finden.

Wie helfen Sie den Frauen sich wieder selbst zu finden und eine eigene Meinung zu bekommen?

Die Frauen, die zu uns kommen, haben den Zugang zu sich selbst und ihren Bedürfnissen verloren. Wir versuchen nun, sie auf ihre Stärken aufmerksam zu machen. Das machen wir durch verschiedene Gruppenangebote, zum Beispiel unseren gemeinsamen Frauenabend. Das Ziel bei jedem dieser Angebote ist natürlich, das Selbstwertgefühl zu stärken. Die Frau soll wieder Mut und Kraft bekommen, sodass sie ihr Leben eigenständig bestreiten kann.

Dürfen auch andere Leute ins Frauenhaus kommen, wie zum Beispiel Freunde der dort lebenden Frauen?

Nein, das geht leider nicht, weil unser Frauenhaus eine anonyme Adresse hat. Wenn jeder wüsste, wo das Frauenhaus ist, dann ist es auch leichter für die gewalttätigen Ex-Partner, die Frauen aufzufinden. Damit so etwas nicht passiert, soll unsere Adresse so unbekannt bleiben wie es nur geht. Wir müssen den Schutzaspekt unserer Arbeit unter allen Umständen aufrechterhalten. Die Frauen können sich aber natürlich außerhalb unseres Hauses mit ihren Freunden treffen.
Interview: Valentina Jovanovic, Romina Niyazi und Lisa Prause

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Schwerpunkt – Ökologie

14. Juli 2020

Die Welt steht still, doch die Erde dreht sich weiter. Die Weltbevölkerung wächst, und wächst. Der Hunger nach Rohstoffen steigt, auch wenn in Zeiten der Pandemie viele Fabriken auf dieser Welt still stehen. Muss der Einzelne sich mit „Weniger“ begnügen, damit der Klimawandel aufgehalten werden kann? Oder braucht es eher neue Technologien? Was wünscht sich die Jugend für ihre Zukunft? Was kann der Einzelne tun, um einen ökologischen Beitrag zu leisten. Und wird das ausreichen? Wohin kann die Reise hingehen?

Ab dem 29.07. haben sich Jungredakteur*innen aus Nürnberg das Schwerpunktthema journalistisch erarbeitet. Die Themenseite wurde am 03.07. in der Nürnberger Zeitung veröffentlicht. Ein Radiomagazin wurde im Rundfunk in Kooperation mit der EFA mehrfach ausgestrahlt. Für den 02.07. und 03.07. produzierten sie eine Life-Talkshow.

 

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Schwerpunkt Ökologie – Impressum

13. Juli 2020

Diese Themenseite  sowie ein Radiomagazin der Evangelischen Funkagentur (gesendet am 12. Juli auf Charivari) und eine Szenische Talkshow  sind das Ergebnis des
Projekts „Volo“. Jugendliche der Carl von Ossietzky-Mittelschule in Nürnberg haben sich eine Woche lang mit dem Thema „Ökologie“ beschäftigt.

Die NZ-Seite entstand unter der Leitung von Ella Schindler. Die Life-Talkshow  leiteten
Jean-Francois Drozak und Mayet Gressenberger. Die Radiogruppe leiteten Lisa Kräher und Annette Link. Jungredakteuer*innen: Elio Riedl, Bujamina Kurtishi, Wiktoria Sliwinska, Giuseppe Vasic, Yahya Alseied, Angelina Chichos, Petronella Varga, Amy Soumah.

Projektträger: Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit.

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Klimaschutz soll sich für jeden lohnen

12. Juli 2020

Maria Pacurariu (17) und Noah Kawohl (17) engagieren sich in Nürnberg bei der Bewegung Fridays for Future und erzählen im NZ-Interview, was sie damit bewegen wollen.

NZ: Sie setzen sich für die Umwelt ein. Wie umweltbewusst leben Sie in ihrem Alltag?

Noah Kawohl: Ich bin Vegetarier. Unsere Bewegung will aber vor allem die Systemkritik an die Öffentlichkeit bringen und nicht jeden einzelnen an den Pranger stellen.

Maria Pacurariu: Es kann nicht sein, dass ein Flugticket günstiger ist als die Bahnfahrkarte. Wir wollen, dass Klimaschutz sich für jeden lohnt und nicht nur das Privileg der Reichen ist.

NZ: Viele kritisierten an Ihrer Bewegung, dass Sie freitags den Unterricht ausfallen lassen.

Pacurariu: Wenn wir nicht während der Schulzeit gestreikt hätten, hätten wir auch nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen. Außerdem tun wir einiges außerhalb der Schulzeit. Wir organisieren etwa Veranstaltungen und Seminare, auch in den Ferien.

NZ: Haben Ihre Proteste viel bewirkt?

Kawohl: Ich hoffe, dass wir auch etwas bewirken können, aber die Klimaschutz-Maßnahmen, die die Regierungen bis jetzt getroffen haben, stehen in keinem Verhältnis zum Aufwand, den unsere Bewegung betrieben hat mit Milllionen protestierenden Menschen weltweit.

NZ: Was bedeutet die Corona-Zeit für den Umweltschutz für Sie?

Pacurariu: Das Virus hat die Politik gezwungen, die Situation als Krise zu sehen und somit auch schnell zu handeln. Das Gleiche könnten die Politiker bei der Klimakrise tun. Wir werden es weiterhin fordern.

Fragen: Petronella Varga, AmySoumah, Angelina Chichos

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Wir sollten lieber auf Wasserstoff setzen

11. Juli 2020

Für Wolfgang Arlt hat die Corona-Krise auch etwas Gutes: Sie brachte die Politik dazu, mehr auf die Wissenschaftler zu hören. Im NZ-Interview erzählt der Professor, der bis zu seiner Emeritierung 2018 den Lehrstuhl für Thermische Verfahrenstechnik an der FAU Erlangen-Nürnberg innehatte, was gegen den Klimawandel helfen könnte.

NZ: Herr Professor Arlt, worin sehen Sie das größte Problem für unsere Umwelt?

Wolfgang Arlt: In der Produktion von CO2, dem Kohlendioxid. Warum manche Menschen am Klimawandel zweifeln, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn wir so weitermachen wie bis jetzt, werden wir bald keine Fische mehr in den Meeren haben, weil das Wasser an der Oberfläche für sie zu sauer wird. Dann haben wir eine Welternährungskrise. Denn viele Länder zum Beispiel in Südostasien ernähren sich von Fisch. Das Problem ist nur: Unser Klima verändert sich langsam. Die Ursachen für Veränderungen können viele Jahre zurückliegen. Das macht es uns schwer, die Zusammenhänge zwischen Ursachen und deren Folgen für das Klima zu erfassen.

NZ: Welche Rolle spielen Wissenschaftler beim Klimaschutz?

Arlt: Wenn man die deutsche Wissenschaft von der Leine lässt und in sie investiert, dann passiert richtig was. Wir haben unglaublich viel Kompetenz hierzulande. Ich bin sehr optimistisch, dass wir Wege finden werden, viel mehr fürs Klima zu tun. Die Wissenschaftler brauchen aber eine Leitplanke. Die Gesellschaft soll uns sagen, was sie will und unter welchen Bedingungen sie das will. An der Corona-Krise konnte man sehen, dass die Politik zum ersten Mal der Wissenschaft zugehört hat. Das ist nicht immer so gewesen.

NZ: Wie hilfreich sind die Versuche jedes Einzelnen, umweltfreundlicher zu leben?

Arlt: Es gibt Dinge, die man ohne großen Aufwand verbessern kann. Zum Beispiel nur zwei statt drei Mal im Jahr fliegen. Es wird die Umwelt zwar nicht retten, aber es ist ein Beitrag, der uns nichts kostet. Wir sollten erst einmal das tun, was uns nichts kostet.

NZ: Wie stehen Sie zu E-Autos?

Arlt: Alle heute diskutierten Fahrzeuge sind Elektroautos, das heißt, der Antrieb ist ein Elektromotor. Der Unterschied liegt allein in der Energiequelle: entweder sind das Batterien oder Brennstoffzellen, die – mit Wasserstoff versorgt – Strom liefern. Ich glaube, dass Batterie-Elektroautos keine Zukunft haben. Zudem sind die wirklichen Reichweiten auch heute noch sehr kurz. Mobilität funktioniert heute nur mit importierter Energie. Diese Mengen könnten wir elektrisch nicht importieren. Wir sollten lieber auf Wasserstoff setzen. Er kann den Elektromotor gut mit Strom versorgen. Es geht hier aber nicht nur um Autos. Wenn wir auf Wasserstoff als Energielieferant umsteigen, dann geht es um ein ganzes Energiesystem für die gesamte Industrie. Eines, das viel umweltfreundlicher wäre. Und grüner Wasserstoff wird aus regenerativ erzeugter Elektrizität durch Elektrolyse hergestellt. Verpackt in sogenannte Liquid Organic Hydrogen Carrier, eine Entwicklung der FAU Erlangen-Nürnberg, kann Wasserstoff als Flüssigkeit importiert werden.

NZ: Warum dominiert noch das Erdöl als Energielieferant?

Arlt: Die Umstellung würde einen gesellschaftlichen Umbruch bedeuten. Das birgt die Gefahr des Scheiterns oder hoher Kosten. Das wollen weder Politik noch die Industrie riskieren, weil sie größere Bevölkerungsgruppen nicht verärgern wollen.

NZ: Wird unsere Gesellschaft aus der Corona-Krise lernen?

Arlt: Es kann nicht sein, dass wir diesen teuren Lockdown hatten und machen nun weiter wie bisher. Wir konnten zum Beispiel schon sehen, dass es bei uns positive Elemente gibt. Vielleicht haben wir gelernt, dass unser Seelenheil nicht im Fliegen ruht oder im allwöchentlichen Restaurantbesuch oder 60 Paar Schuhen im Schrank. Wir haben auch gelernt, dass es besser wäre, die Medikamente nicht nur im Labor in China herstellen zu lassen, sondern auch bei uns. Wir wären dumm, wenn wir keine Lehren daraus ziehen würden. Aber die Umstellungen fallen den Menschen schwer. Fragen:

Petronella Varga, Emy Soumah, Ella Schindler, Angelina Chichos

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Ein Drittel der Nürnberger ist mit dem Fahrrad mobil

10. Juli 2020

Schafft die Gesellschaft das Umdenken hin zu konsequenterem Umweltschutz? Berthold Söder vom Ökologischen Verkehrsclub Deutschland (VCD) bleibt zuversichtlich und beruft sich dabei auf die Erfahrungen mit dem Rauchverbot in Bayern.

Momentan sind leider nur um die zwölf Prozent aller Nürnberger mit Fahrrad unterwegs. Aber wenn die Fahrradwege weiterhin ausgebaut werden und mit den Möglichkeiten der E-Bikes könnte es in 20 Jahren ohne weiteres 30 Prozent mehr Fahrradfahrer in der Stadt geben.

Wenn in den kommenden zwei Jahrzehnten dann auch noch nur etwa zehn Prozent mit dem Auto fahren, dann wären wir schon ein gewaltiges Stück weiter. Jetzt sind um die 40 Prozent der Nürnberger Autofahrer. Wir brauchen auch im öffentlichen Verkehr ein vereinfachtes Tarifsystem.

Weil sich die Stadt zum 365-Euro-Ticket verpflichtet hat, verspricht auch der ÖPNV ein Renner zu werden. Wir beim Verkehrsclub denken, dass viele Menschen es nutzen werden. Hier wäre die Herangehensweise wie beim Auto: Was ich schon habe, nutze ich. Wenn die Menschen das Ticket schon haben, dann fahren sie damit, bevor sie für Sprit Geld ausgeben müssen.

Wenn die zehn Prozent, die dann noch das Auto nutzen, auf Elektroautos setzen und der Strom etwa mit Windenergie erzeugt würde, das wäre akzeptabel. Was man aber auch wissen muss: Die Energie, die für die Herstellung eines Auto-Akkus benötigt wird, würde für 100 Akkus für E-Bikes ausreichen. Ich hoffe sehr, dass die Corona-Krise unsere Prioritäten ändert. Dass die Menschen sich fragen: Was bringt uns mehr Spaß: der kurzfristige Spaß, mit dem Auto durch die Stadt zu düsen, oder etwas Langfristiges, was allen nützt? Wir hoffen auf ein strukturelles Umdenken. Eine ähnliche Zäsur hat es ja schon beim Rauchverbot gegeben. Damals haben es viele nicht für möglich gehalten und jetzt ist es akzeptiert.

Protokoll: Petronella Varga, Amy Soumah

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Die Natur ist nur noch schönes Beiwerk

9. Juli 2020

Seit vielen Jahren engagiert sich Richard Stry beim Bund Naturschutz im Vorstand. Er beklagt, wie wenig Kinder über die Natur wissen. Ich bin zwar ein Optimist, aber ich sehe schon die Klimakatastrophe auf uns zurollen. Um das Schlimmste zu verhindern, müssen wir unsere Lebenseinstellung verändern. Etwa beim Verkehr. Da geht es nicht darum, ob ich im elektrischen Stau stehe oder im Benzin-Stau. Deswegen brauchen wir kein neues Elektroauto, sondern ein neues Bewegungsverständnis, in dem man gar nicht in den Stau kommt. Etwa dann, wenn möglichst viele radfahren oder den ÖPNV nutzen. Leider habe ich nicht das Gefühl, dass die Menschen umweltbewusster geworden sind. Im vergangenen Sommer bin ich mit dem Rad mehrere Plätze in Nürnberg abgefahren, habe dort die Temperatur gemessen und immer wieder Menschen erlebt, die an ihrem Auto mit laufendem Motor standen.

Asphalt- oder Betonplätze waren dabei drei Grad Celsius wärmer, als Grün- und Parkanlagen. Ob die junge Generation viel umweltfreundlicher ist, bin ich mir auch nicht sicher. Es ist vielleicht zum Teil so. Das Engagement der Bewegung Fridays for Future ist gut. Sie hilft, die Umweltprobleme aufzuzeigen und die Menschen zum Denken anzustoßen. Auf der anderen Seite wissen die Kinder viel zu wenig über die Natur. Sie wachsen mit Technik auf und für sie ist die Natur eigentlich nur noch ein schönes Beiwerk.

Wir tun aber was für den Nachwuchs. Etwa im Projekt „Sehnsucht Wildnis“, das zu unserem naturpädagogischen Bildungsprogramm gehört. In diesem Projekt wird den Kindern die Natur auch in der Stadt nahegebracht.

Protokoll: Amy Soumah, Petronella Varga

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Schwerpunkt Kommunales

27. Februar 2020

Wie funktioniert das öffentliche Zusammenleben in einer Kommune?
Auf Bundesebene sieht man sich vielleicht zwei Mal im Leben. In einer Kleinstadt läuft man sich einmal im Monat über dem Weg. Wie funktionieren politische Entscheidungsprozesse auf kommunaler Ebene? Wie bringt man eine Idee voran, und findet dafür Mitstreiter*innen? Wie ist das Zusammenspiel zwischen der Verwaltung, dem Stadtrat und der Zivilgesellschaft? Auf was sollte man im Disput achten, und tunlichst vermeiden? Über welche Themen reden die Menschen auf der Straße besonders gerne, und was sollte öfters angesprochen werden?

Ab dem 10.02. haben sich 20 Jungredakteur*innen aus Neumarkt in der Oberpfalz  das Schwerpunktthema journalistisch erarbeitet. Die Themenseite wurde am 14.02. in den Neumarkter Nachrichten veröffentlicht. Ein Radiomagazin wurde im Rundfunk in Kooperation mit der EFA mehrfach ausgestrahlt. Für den 09.02. und 10.02. produzierten sie eine Life-Talkshow in Kooperation mit der Stadt Neumarkt.

Jugendliche aus Neumarkt haben  Passant*innen befragt, was sie von Ihrer Stadt halten:

 

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Schwerpunkt Kommunales – Impressum

26. Februar 2020

Kommunales ist das Ergebnis des Theater- und Medienprojektes „Volo“. Schülerinnen und Schüler der Staatlichen Realschule für Knaben sowie des Ostendorfer Gymnasiums in Neumarkt haben sich eine Woche lang mit dem Thema „Kommunales – Wie funktioniert das öffentliche Zusammenleben in einer Kommune?“ beschäftigt. Im Rahmen des Projektes entstanden neben der Themenseite noch ein Theaterstück sowie ein Radiomagazin der Evangelischen Funkagentur.

Theatergruppe unter Leitung von Jean-Francois Drozak: Nina Götz, Renée Romeis, Nico Lell, Pius Linkert, Quirin Lukas.

Radiogruppe unter Leitung von Roland Rosenbauer und Eleonore Birkenstock: Marius Özdemir, Carla Ott, Anna-Lena Fersch, Samuel Kiralik, Janno Behringer, Fabian Schmitz.

Die NN-Seite entstand unter der Leitung von Ella Schindler.

Projektträger: Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit.