+ Schwerpunkt Extrem- Frankenpost
Mit blinden Vertrauen ins Klosterleben

11. April 2019

Schwester Constanze ist eine 47 Jahre alte Ordensschwester. Sie lebt seit 2011 in der Ordensgemeinschaft der Christusbruderschaft in Selbitz. Sie gibt Einblick in ihr Leben.

Von Hannah Rapp und Smilla Hoffmann

Wie „extrem“ ist das Leben einer Ordensschwester? Schwester Constanze muss über diese Frage schmunzeln. Sie findet ihren Alltag ganz normal, sagt sie. Doch ihre Familie findet es extrem, gibt sie zu. Das fand die Familie auch, als sie für einige Monate zum Missionsdienst nach Indien ging.

Constanze Günther hatte schon ein ganzes Stück Berufsleben hinter sich, als sie sich zum Leben in einer evangelischen Ordensgemeinschaft entschloss. Sie war in einer gläubigen Familie aufgewachsen und arbeitete als Gemeindepädagogin. Doch irgendwann hörte sie „den Ruf Gottes“. „Ich nahm eine Auszeit und machte Urlaub mit Gott“, so beschreibt sie die Zeit, die sie mit Exerzitien verbrachte und auch das Kloster kennenlernte.


Hier gab es ein Schlüsselerlebnis: Durch die Pferde, mit denen sie die freie Zeit gestaltete, fand sie „die blinde Verbindung zu Gott“. Sie habe gelernt, dass sie ihm voll und ganz vertrauen kann. Danach fing sie mit ihrer dreijährigen Ausbildung an. „Tritt ein in den Liebesraum des dreieinigen Gottes“ lautet der Satz, der für den Eintritt in das Kloster steht. Als sie 2011 aufgenommen wurde, war sie froh, dass sie nun endlich der Christusbruderschaft in Selbitz beigetreten ist.

Nun hat die Ordensschwester einen neuen Alltag, der von drei Gebeten abhängt: dem Morgengebet, dem Mittagsgebet und dem Abendgebet. Im Moment ist die Hilfe als Haushaltsdienst ihre Hauptarbeit. Eigene Besitztümer haben sie und ihre Mitschwestern nicht. Schwester Constanze lebt und teilt sich alles mit ihren Ordensschwestern. „Wir sind eine Familie.“ Der Kontakt zu ihrer „alten“ Familie besteht natürlich weiterhin. „Wir Schwestern bekommen Urlaub, um unsere Familien zu besuchen.“ Schwester Constanze besitzt neun Ordenstrachten. Drei sind schwarz für Festtage, die anderen sind grau. Davon sind drei mit langen Ärmeln für den Winter und drei haben kürzere Ärmel für den Sommer. Besondere Nachtgewänder gibt es nicht.

Die Ordenstracht ist eine Art „Uniform“. Dadurch sind Schwestern als solche zu erkennen – untereinander und für Außenstehende. Doch richtig schlechte Erfahrung hat sie noch nicht gemacht. „Körperlich bin ich noch nie angegriffen worden. Nur ab und an mal verbal.“ Die Schwester ist tolerant. Sie begegnet anderen Religionen freundlich, solange sie ihre Religion selbst ausleben kann. Mit Gewalt die eigene Religion durchzusetzen ist für sie keine Lösung. Die starke Bindung zum Orden empfinden manche Menschen nicht als normal, das akzeptiert sie auch, solange die Menschen sie respektieren. Wenn nicht, dann hält sie lieber Abstand. Schwester Constanze ist Ordensschwester. „Eine Nonne bin ich nicht“, stellt sie klar. Nonnen sind fest an einen Ort und an die Gebete gebunden. Ordensschwestern können auch außerhalb der Glaubensfamilie wirken. Seit dem Eintritt in die Bruderschaft richtet sich der Tag der Ordensschwestern nach den täglichen Gebeten. Der Tag hat dadurch eine feste Struktur. Auf die Frage, ob sie als Ordensschwester etwas vermisse, antwortete sie: „Die Spontanität! Einfach mal spontan ins Kino gehen zum Beispiel. Allerdings merke ich, dass manche Verzichte auch meinem Körper guttun.“ Natürlich, so gibt sie zu, verstehe sie, dass manche so ein strukturiertes Leben als „extrem“ bezeichnen. „Für mich“, sagt Schwester Constanze, „ist es Alltag.“

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