Archiv der Kategorie: + Schwerpunkt Verhältnismäßigkeit

Diese Seite ist das Ergebnis des medienpädagogischen Projekts volo. Jungredakteure der Realschule Johannes-Hartung in Miltenberg beschäftigten sich eine Woche lang mit dem Thema
„Verhältnismäßigkeit“ . Initiiert und gefördert wurde die Projektwoche von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit in Zusammenarbeit mit dem Main Echo und der Evangelischen Funkagentur EFA.
Projektteam: Julie Hofmann, Jean-Francois Drozak, Roland Rosenbauer. Für die Schule: Manfred Wedl

+ Schwerpunkt Verhältnismäßigkeit
Schwerpunkt – Verhältnismäßigkeit

Angela Merkel betont immer wieder, dass die von der Bundesregierung ergriffenen Maßnahmen notwendig sind. Gleichzeitig ist der Virus und die damit verbundenen Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte, eine aus ihrer Sicht  „demokratische Zumutung“. Was bedeutet das Prinzip der Verhältnismäßigkeit? Wir wollen ein Gespür dafür entwickeln, und betrachten ihn  aus unterschiedlicher Lebenspraxis. Welche Konsequenzen sind in der Kindeserziehung sinnvoll, ab wann eine Strafmaßnahme überzogen? Welcher Diskurs ist in der Medienwelt noch hinnehmbar, wann endet eine konstruktive Streitkultur? Und wieviel müssen wir für den Naturschutz aufgeben?

Ab dem 27.09. haben sich Jungredakteur*innen aus Verhältnismäßigkeit das Schwerpunktthema journalistisch erarbeitet. Die Themenseite wurde am 01.10 im Main-Echo veröffentlicht. Ein Radiomagazin wurde im Rundfunk in Kooperation mit der EFA mehrfach ausgestrahlt. Für den 01.10. produzierten sie eine Life-Talkshow.

 

Hier geht es per Mausklick zu den Langfassungen der Interviews:

https://www.main-echo.de/regional/kreis-miltenberg/miltenberger-realschueler-interviewen-vier-experten-eine-woche-unterwegs-als-main-echo-reporter-art-7387687

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Impressum – Verhältnismäßigkeit

Diese Themenseite, ein Radiomagazin der Evangelischen Funkagentur (gesendet auf Radio Galaxy und auf Charivari) und eine Szenische Talkshow sind das Ergebnis des
Projekts „Volo“. Jugendliche der Realschule Johannes-Hartung  haben sich eine Woche lang mit dem Thema „Verhältnismäßigkeit“ beschäftigt.

Die Main-Echo-Seite entstand unter der Leitung von Julie Hofmann. Die Life-Talkshow leitete Jean-Francois Drozak. Die Radiogruppe leitete Roland Rosenbauer. Die Jungredakteur*innen sind aus der 8. Klassenstufe.

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Stupser in die richtige Richtung

Christina Huhn: Obernburger Richterin erklärt Jugendstrafen

Wie entscheiden Gerichte, welche Strafe verhältnismäßig ist?

Im Strafrecht hat der Gesetzgeber für jeden Straftatbestand einen Strafrahmen normiert. Das heißt, es gibt eine Mindeststrafe und es gibt eine Höchststrafe. In diesem Rahmen muss man eine angemessene Strafe finden und Strafzumessungsaspekte abwägen. Zum Beispiel: War der Angeklagte geständig? Wie hoch ist der Schaden?

Finden Sie es gut, dass Kinder und Erwachsene unterschiedlich geahndet werden?

Ich finde es schon richtig, dass der Gesetzgeber das so normiert hat. Bei Jugendlichen steht der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Das Gericht versucht, sie durch erzieherische Maßnahmen auf die richtige Bahn zu lenken. Sie brauchen manchmal noch den Stupser in die richtige Richtung.

Wie unterscheiden sich Jugend und Erwachsenenstrafen?

Im allgemeinen Strafrecht gibt es Geld- und Freiheitsstrafen. Bei Geldstrafen richtet sich die Anzahl der Tagessätze nach der Schuld. Die Tagessatzhöhe richtet sich nach dem Einkommen. Freiheitsstrafen beginnen ab einem Monat und können mehrere Jahre betragen. Im Jugendstrafrecht gibt es andere Möglichkeiten wie gemeinnützige Arbeitsstunden, Geldauflagen, Dauer-, Freizeitarreste oder Jugendstrafen. Ein Freizeitarrest bedeutet, dass der Jugendliche ein Wochenende in einer Jugendarrestanstalt verbringt. Beim Dauerarrest verbringt er bis zu vier Wochen dort.

 

Zur Person: Christina Huhn

hristina Huhn aus Frankfurt ist seit vier Monaten Familienrichterin am Amtsgericht in Obernburg. Zu den Aufgaben der 31-Jährigen zählt es zum Beispiel, Scheidungen auszusprechen und Entscheidungen über Unterhaltsansprüche zu treffen. Huhn war zuvor aber auch drei Jahre lang als Staatsanwältin in Aschaffenburg tätig.

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Karibik oder Kartoffel

Florian Neuberger: Landwirt aus Bürgstadt äußert sich zu Billigfleisch

Was ist ein starkes Argument, dass ich bei Ihnen einkaufe und nicht im Supermarkt?

Das Tier ist bei uns geboren worden, es wächst bei uns auf und wird am Hof geschlachtet. Weder Zukauf noch Transport finden statt.

Warum sollten Verbraucher kein Billigfleisch im Supermarkt kaufen?

Die ganz billige Ware kommt aus Betrieben, die mitunter nicht in Deutschland sind. Sprich, dass man lange Transportwege hat – sowohl für das lebende Tier als auch für das Fleisch. Wenn ich mehr für Fleisch verlangen kann, hab ich finanzielle Mittel übrig, um dem Tierschutz noch gerechter zu werden: mehr Platz, mehr Stroh. Das bestimmt der Verbraucher letztlich an der Ladentheke.

Ist das Fleisch von Ihrem Hof auch für Geringverdiener erschwinglich?

Für jemanden, der staatliche Unterstützung hat – sei es Hartz IV oder Arbeitslosengeld – wird es für den täglichen Bedarf zu teuer sein. Ansonsten muss ich entscheiden: Kaufe ich mir anständige Lebensmittel zu einem gerechtfertigten Preis, so dass der Landwirt überleben kann und die Natur etwas davon hat, oder stecke ich mein ganzes Geld in Freizeit und Unterhaltungsmedien. Also: Karibik oder Kartoffel.


Zur Person: Florian Neuberger

Florian Neuberger (34) ist Landwirtschaftsmeister aus Bürgstadt. Der Betrieb Erftal Rind wird seit 1969 von der Familie Neuberger geführt. Der Schwerpunkt liegt auf der Mutterkuhhaltung und Fleischerzeugung mit bis zu 600 Rindern. Hinzu kommt die eigene Schlachtung und Vermarktung. Der überwiegende Teil des Fleisches wird direkt am Hof verkauft, ein Teil geht an Metzgereien in der Umgebung.

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Jugendkultur sucht ihren Freiraum

Birgit Englert: Fachkraft für Suchtprävention über Behandlungsmöglichkeiten

Woran kann man eine Sucht erkennen?

Es gibt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sechs Merkmale. Dazu zählt zum Beispiel die Toleranzentwicklung. Das bedeutet, dass man immer mehr von der gleichen Sache macht. Anfangs spielt man eine halbe Stunde Computer und hat dann den »Kick«, irgendwann benötigt man 15 Stunden. Ein weiteres Merkmal sind körperliche Entzugserscheinungen wie etwa Unruhe und Nervosität.

Wie kann eine Sucht behandelt werden?

Erstmal muss derjenige, der süchtig ist, das wollen. Bei einer Sucht kann man körperlich und psychisch süchtig sein. Meist ist die körperliche Abhängigkeit einfacher zu behandeln. Beim Alkohol macht man einen Entzug. Die psychische Abhängigkeit ist aber viel schwieriger zu überwinden. Man denke an den Raucher: Das Nikotin ist schnell aus dem Körper raus, aber wie lange machen sie rum, bis sie nicht mehr rauchen? Da werden meist viele Versuche unternommen, mit dem Rauchen aufzuhören.

Glauben Sie, dass die Mediensucht bei Jugendlichen in der Zukunft noch größer werden könnte?

Ich denke, das Interesse daran wird weiter steigen. Für die Jugendlichen gibt es nur noch von den Eltern verplante Freizeit. Aber jede Jugendkultur sucht ihren Freiraum. Das Internet ist meiner Meinung nach tatsächlich der einzige Freiraum ohne Einmischung durch Erwachsene.

 

Zur Person: Birgit Englert Birgit Englert aus Glattbach (Kreis Aschaffenburg) ist Sozialpädagogin und arbeitet im Landratsamt Miltenberg als Fachkraft für Suchtprävention. Die 51-Jährige macht unter anderem Schulungen für Schulklassen, Pädagogen und Kindergärtner sowie Öffentlichkeitsarbeit.

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So viele Beschwerden wie noch nie

Jens Marco Scherf: Miltenberger Landrat spricht über Corona-Zeit

Gab es viele Beschwerden in der Corona-Zeit?

Ja, sehr viele, so viele wie noch nie zu einem Thema.

Was haben Menschen als besonders unverhältnismäßig gefunden?

Die Schließung von Geschäften. Da war das große Problem, dass wir an der Ländergrenze leben. Was da als unverhältnismäßig empfunden wurde: Warum ist etwas in Hessen erlaubt und bei uns nicht? Was Bürger vor einem Jahr ebenfalls enorm aufgeregt hat, war das Tragen von Masken. Dazu habe ich im vergangenen Herbst unheimlich viele Nachfragen bekommen.

Haben Sie eine Corona-Maßnahme, die Sie umsetzen mussten, als nicht angemessen empfunden?

Da gibt es einige (lacht). Was mich im Frühjahr 2021 sehr belastet hat, war, wie lange es gedauert hat, bis sich Kinder und Jugendliche in den Vereinen und in der Freizeit wieder treffen durften. Ich hätte mir auch gewünscht, dass kritisch hinterfragt wird, ob eine Schulschließung über so viele Monate wirklich sinnvoll ist. Das ist dann das Dilemma: Es sind landesweite Regelungen und die muss man am Ende als staatliche Behörde korrekt umsetzen.

 

Zur Person: Jens Marco Scherf
Jens Marco Scherf (Grüne) ist seit 2014 Landrat im Kreis Miltenberg. Der 47-Jährige hat zuvor als Haupt- und Mittelschullehrer gearbeitet. Das Landratsamt ist auch eine staatliche Behörde. »Wir setzen um, was in Berlin und vor allem in München entschieden wird«, so Scherf. Er sagt von sich, er sei Landrat geworden, um Verantwortung zu übernehmen: »Ich wollte nicht nur zuschauen, sondern Dinge verändern.«

 

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