+ Schwerpunkt Extrem- Frankenpost
Altes Wissen neu erklärt

17. April 2019

Im Porzellanikon sind ehemalige Porzelliner als Besucherführer tätig. Museumspädagogin Regine Leineweber weiß ihre Kenntnisse zu schätzen. Und von den Besuchern gibt es Lob.

Von Santiago Lipsky und Johannes Reinel

Extreme Zeiten kennt die Porzellanindustrie der Region. Einst waren die Produkte großer Firmen wie Hutschenreuther und Rosenthal auf allen Tischen der Welt zu finden. Doch irgendwann kam die Rezession, der wirtschaftliche Einbruch, das Billigporzellan aus dem Ausland. Entlassungen waren die Folge. Viele verloren ihren Arbeitsplatz, ganze Familien in Selb und Umgebung waren von Arbeitslosigkeit betroffen.


Viel Erlerntes und Wissen um das Porzellan drohte verloren zu gehen. Hier setzt das Porzellanikon an. Ehemalige Porzellanarbeiter haben hier eine neue Aufgabe gefunden. Als Besucherführer erzählen sie aus ihrem Arbeitsleben und geben hautnah Informationen um das „weiße Gold“ weiter. Regine Leineweber wohnt zwar erst seit drei Monaten in Selb, aber die Museumspädagogin weiß den Erfahrungsschatz dieser Kollegen zu schätzen. „Viele freuen sich auch über das Lob der Besucher“, erzählt sie. „Was früher normale Arbeit war, wofür es kaum Lob gab, ist jetzt einfach etwas Besonderes.“

Leineweber ist aus dem Saarland hergezogen, einer Region, die ebenfalls sehr mit dem Porzellan verbunden ist. Sie studierte praxisorientierte Altertumswissenschaft und angewandte Kulturwissenschaft. Sie machte schon viele Führungen während ihres Studiums und ihre Abschlussarbeit schrieb sie über Porzellan. Jetzt arbeitet sie im Porzellanikon, für die junge Frau ist es ihr Traumjob. Die 27-jährige begeisterte sich schon lange für Porzellan und dessen Herstellung.

Kein Zweifel, für Porzellan schlägt ihr Herz. „Ich bin der Meinung, dass Porzellan eine lange Zukunft haben wird.“ Und damit meint sie nicht nur den Erfolg des Strukturwandels und den Weg heraus aus der Krise. Sie denkt auch nicht allein an die technische Keramik, sondern verweist auf die Nachhaltigkeit des besonderen Werkstoffes. Tassen und Teller benutzt man eben jeden Tag. „Das ist kein Wegwerf-Produkt“, sagt die Expertin. Extrem waren früher auch die Arbeitsbedingungen in der Porzellanindustrie: Hitze beim Brennofen, Feinstaub gab es an vielen Arbeitsplätzen, Lungenkrankheiten waren Alltag. Und deshalb erklärt Regine Leineweber uns jungen Reportern, dass die Herstellung von Porzellan damals sehr extrem war, „denn das war körperlich sehr anstrengend“.

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