+ Schwerpunkt Extrem- Frankenpost
Bei Regen oder brütender Hitze über 42 Kilometer

16. April 2019

Seinem Hobby Laufen frönt der 34-jährige Marcus Schädlich auch an ungewöhnlichen Plätzen. Eine neu Stadt, so sagt der Marathon-Läufer, lerne man am besten kennen, wenn man sie zu Fuß durchquert.

Von Jolanda Kleiner und Mathias Panhans

Was ist extrem? Wir finden, die Sportart, die Marcus Schädlich in seiner Freizeit macht, ist eine der vielen Extreme im Leben. Doch Schädlich selbst bezeichnet sein Hobby nicht als extrem, wie er in einem Interview mit der volo-Redaktion betont. Marcus Schädlich ist 34 Jahre alt, Sportjournalist bei der Frankenpost und läuft nun schon seit 16 Jahren. Seit vier Jahren tritt er bei Marathonläufen an. Ist das extrem? Der Hobbysportler ist schon an vielen unterschiedlichen Orten gelaufen, so zum Beispiel in Jerusalem, Barcelona und erst vor Kurzem im indischen Mumbai. Egal welche Temperatur oder Wetterbedingung herrscht, Marcus läuft und zieht durch. Egal ob Regen oder Sonne, Plus- oder Minusgrade, der Journalist gibt nicht auf.


Marcus Schädlich betont im Interview, dass er seinen Sport nicht als Extremsport betrachtet. Seine Sichtweise, so gibt er zu, sei eher die eines Ultradistanzläufers. Denn, sagt er, sei das Wörtchen „extrem“ eine Definitionsfrage.

Dreimal die Woche trainieren? Für den Hobbysportler ist das kein Problem. Eine proteinreiche und extrem fettarme Ernährung? Genauso kein Problem. Schädlich verzichtet sogar auf Schweinefleisch, da es zu viel Fett enthält.

Ein Marathon, das sind immerhin 42 Kilometer. Und das Ganze macht er mehrmals im Jahr. Und nebenbei hat er noch seine Arbeit als Sportjournalist. Der Hobbysportler kombiniert einfach ohne jene Probleme Privatinteressen und Arbeit. Was wir „Couchlümmel“ also als extrem empfinden, sieht Marcus Schädlich schlichtweg als eine normale Lebensweise an.

Seine sportliche Karriere fing ganz harmlos in der Freizeit an. „Ich habe nach einer Sportart gesucht, die ich machen kann. Ich wollte mich bewegen und bin beim Laufen gelandet“, erzählt er. Kontaktsportarten und Sportarten, die die Knochen sehr belasten, waren für ihn tabu. 16 Jahre ist das nun schon her. Seinen ersten Marathon lief er dann vor ungefähr vier Jahren.

Doch auch ein Dauerläufer fällt mal in ein Motivationsloch. Daraufhin meldete er sich für den Marathonlauf in Berlin an, um ein Trainingsziel vor Augen zu haben. „Mein erster Marathon“ so Marcus Schädlich. Und viele folgten seither. Die Marathon- und Halbmarathonläufe geben ihm die nötige Motivation zum Laufen. Der Hobbysportler meldet sich mehrmals im Jahr zu Läufen an – überall auf der Welt.

Häufig läuft und trainiert Schädlich nicht allein. Er hat auch die Begeisterung seiner Frau für diese Sportart geweckt. Ein großer Traum in seiner Zukunft ist es, einmal den New Yorker Marathon mitzulaufen. Ebenfalls möchte er einmal in Griechenland die Original-Strecke laufen, die dem Marathon den Namen gab. Weitere exotische Orte hat er auf der Wunschliste. „Die habe ich mir fest vorgenommen.“ Doch wie fühlt sich der Sportler eigentlich nach einem Lauf? „Da muss man zwischen körperlichem und geistigem Fühlen unterscheiden“, sagt er.

Körperlich fühle er sich nach jedem Lauf anders. Er sagt, dass er manchmal nach einem Lauf extrem erschöpft ist und kaum noch Kraft hat. Ein anders Mal ist er sogar noch in der Lage, noch ein ganzes Stück weiter zu gehen und noch mehr Kilometer nach einem Lauf zu absolvieren. Aber nach jedem Lauf muss der Sportler erst mal ein paar Stunden schlafen, um neue Kraft zu tanken. Die Tage danach ist der 34-Jährige jedesmal aufs Neue körperlich komplett erschöpft. Wer wäre es auch nicht nach 42 Kilometern? „Die Tage danach habe ich extremen Muskelkater und vor allem das Treppensteigen fällt mir schwer. Nicht mal bergauf, aber bergab ist besonders anstrengend“,  sagt der Marathonläufer.

Mental fühlt sich der Sportler sehr gut. „Was nach den Schmerzen bleibt, ist das positive Gefühl, eine solche Leistung erbracht zu haben und einen solchen Marathon durchgestanden zu haben. Man hat etwas erreicht. Dieses positive Gefühl, diese Leistung, dieser Push, die bleiben länger. Das sind so die Folgen nach einen Lauf“, berichtet Marcus Schädlich. Angemeldet ist er zum vierten Mal für den Berlin-Marathon. Mit dem durch Afghanis-

tan liebäugelt er schon sehr. Städte lerne man ganz anders kennen, wenn man sie durchlaufe. Die Slums in der schwülen Hitze von Indien oder die vielen Gerüche und Farben von Marrakesch sind ihm bleibende Eindrücke.

Mal sehen, wann Marcus Schädlich seine nächsten 42 Kilometer läuft.

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