Jahresarchive: 2021

Schwerpunkt Verhältnismäßigkeit

Angela Merkel betont immer wieder, dass die von der Bundesregierung ergriffenen Maßnahmen notwendig sind. Gleichzeitig ist der Virus und die damit verbundenen Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte, eine aus ihrer Sicht „demokratische Zumutung“. Was bedeutet das Prinzip der Verhältnismäßigkeit? Wir wollen ein Gespür dafür entwickeln, und betrachten ihn aus unterschiedlicher Lebenspraxis. Welche Konsequenzen sind in der Kindeserziehung sinnvoll, ab wann eine Strafmaßnahme überzogen? Welcher Diskurs ist in der Medienwelt noch hinnehmbar, wann endet eine konstruktive Streitkultur? Und wieviel müssen wir für den Naturschutz aufgeben?

Jungredakteur*innen aus Miltenberg haben sich ab dem  27.09. dem Thema Verhältnismäßigkeit gewidmet. Mehr dazu per Mausklick

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Schwerpunkt – Verhältnismäßigkeit

Angela Merkel betont immer wieder, dass die von der Bundesregierung ergriffenen Maßnahmen notwendig sind. Gleichzeitig ist der Virus und die damit verbundenen Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte, eine aus ihrer Sicht  „demokratische Zumutung“. Was bedeutet das Prinzip der Verhältnismäßigkeit? Wir wollen ein Gespür dafür entwickeln, und betrachten ihn  aus unterschiedlicher Lebenspraxis. Welche Konsequenzen sind in der Kindeserziehung sinnvoll, ab wann eine Strafmaßnahme überzogen? Welcher Diskurs ist in der Medienwelt noch hinnehmbar, wann endet eine konstruktive Streitkultur? Und wieviel müssen wir für den Naturschutz aufgeben?

Ab dem 27.09. haben sich Jungredakteur*innen aus Verhältnismäßigkeit das Schwerpunktthema journalistisch erarbeitet. Die Themenseite wurde am 01.10 im Main-Echo veröffentlicht. Ein Radiomagazin wurde im Rundfunk in Kooperation mit der EFA mehrfach ausgestrahlt. Für den 01.10. produzierten sie eine Life-Talkshow.

 

Hier geht es per Mausklick zu den Langfassungen der Interviews:

https://www.main-echo.de/regional/kreis-miltenberg/miltenberger-realschueler-interviewen-vier-experten-eine-woche-unterwegs-als-main-echo-reporter-art-7387687

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Impressum – Verhältnismäßigkeit

Diese Themenseite, ein Radiomagazin der Evangelischen Funkagentur (gesendet auf Radio Galaxy und auf Charivari) und eine Szenische Talkshow sind das Ergebnis des
Projekts „Volo“. Jugendliche der Realschule Johannes-Hartung  haben sich eine Woche lang mit dem Thema „Verhältnismäßigkeit“ beschäftigt.

Die Main-Echo-Seite entstand unter der Leitung von Julie Hofmann. Die Life-Talkshow leitete Jean-Francois Drozak. Die Radiogruppe leitete Roland Rosenbauer. Die Jungredakteur*innen sind aus der 8. Klassenstufe.

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Stupser in die richtige Richtung

Christina Huhn: Obernburger Richterin erklärt Jugendstrafen

Wie entscheiden Gerichte, welche Strafe verhältnismäßig ist?

Im Strafrecht hat der Gesetzgeber für jeden Straftatbestand einen Strafrahmen normiert. Das heißt, es gibt eine Mindeststrafe und es gibt eine Höchststrafe. In diesem Rahmen muss man eine angemessene Strafe finden und Strafzumessungsaspekte abwägen. Zum Beispiel: War der Angeklagte geständig? Wie hoch ist der Schaden?

Finden Sie es gut, dass Kinder und Erwachsene unterschiedlich geahndet werden?

Ich finde es schon richtig, dass der Gesetzgeber das so normiert hat. Bei Jugendlichen steht der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Das Gericht versucht, sie durch erzieherische Maßnahmen auf die richtige Bahn zu lenken. Sie brauchen manchmal noch den Stupser in die richtige Richtung.

Wie unterscheiden sich Jugend und Erwachsenenstrafen?

Im allgemeinen Strafrecht gibt es Geld- und Freiheitsstrafen. Bei Geldstrafen richtet sich die Anzahl der Tagessätze nach der Schuld. Die Tagessatzhöhe richtet sich nach dem Einkommen. Freiheitsstrafen beginnen ab einem Monat und können mehrere Jahre betragen. Im Jugendstrafrecht gibt es andere Möglichkeiten wie gemeinnützige Arbeitsstunden, Geldauflagen, Dauer-, Freizeitarreste oder Jugendstrafen. Ein Freizeitarrest bedeutet, dass der Jugendliche ein Wochenende in einer Jugendarrestanstalt verbringt. Beim Dauerarrest verbringt er bis zu vier Wochen dort.

 

Zur Person: Christina Huhn

hristina Huhn aus Frankfurt ist seit vier Monaten Familienrichterin am Amtsgericht in Obernburg. Zu den Aufgaben der 31-Jährigen zählt es zum Beispiel, Scheidungen auszusprechen und Entscheidungen über Unterhaltsansprüche zu treffen. Huhn war zuvor aber auch drei Jahre lang als Staatsanwältin in Aschaffenburg tätig.

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Karibik oder Kartoffel

Florian Neuberger: Landwirt aus Bürgstadt äußert sich zu Billigfleisch

Was ist ein starkes Argument, dass ich bei Ihnen einkaufe und nicht im Supermarkt?

Das Tier ist bei uns geboren worden, es wächst bei uns auf und wird am Hof geschlachtet. Weder Zukauf noch Transport finden statt.

Warum sollten Verbraucher kein Billigfleisch im Supermarkt kaufen?

Die ganz billige Ware kommt aus Betrieben, die mitunter nicht in Deutschland sind. Sprich, dass man lange Transportwege hat – sowohl für das lebende Tier als auch für das Fleisch. Wenn ich mehr für Fleisch verlangen kann, hab ich finanzielle Mittel übrig, um dem Tierschutz noch gerechter zu werden: mehr Platz, mehr Stroh. Das bestimmt der Verbraucher letztlich an der Ladentheke.

Ist das Fleisch von Ihrem Hof auch für Geringverdiener erschwinglich?

Für jemanden, der staatliche Unterstützung hat – sei es Hartz IV oder Arbeitslosengeld – wird es für den täglichen Bedarf zu teuer sein. Ansonsten muss ich entscheiden: Kaufe ich mir anständige Lebensmittel zu einem gerechtfertigten Preis, so dass der Landwirt überleben kann und die Natur etwas davon hat, oder stecke ich mein ganzes Geld in Freizeit und Unterhaltungsmedien. Also: Karibik oder Kartoffel.


Zur Person: Florian Neuberger

Florian Neuberger (34) ist Landwirtschaftsmeister aus Bürgstadt. Der Betrieb Erftal Rind wird seit 1969 von der Familie Neuberger geführt. Der Schwerpunkt liegt auf der Mutterkuhhaltung und Fleischerzeugung mit bis zu 600 Rindern. Hinzu kommt die eigene Schlachtung und Vermarktung. Der überwiegende Teil des Fleisches wird direkt am Hof verkauft, ein Teil geht an Metzgereien in der Umgebung.

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Jugendkultur sucht ihren Freiraum

Birgit Englert: Fachkraft für Suchtprävention über Behandlungsmöglichkeiten

Woran kann man eine Sucht erkennen?

Es gibt laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sechs Merkmale. Dazu zählt zum Beispiel die Toleranzentwicklung. Das bedeutet, dass man immer mehr von der gleichen Sache macht. Anfangs spielt man eine halbe Stunde Computer und hat dann den »Kick«, irgendwann benötigt man 15 Stunden. Ein weiteres Merkmal sind körperliche Entzugserscheinungen wie etwa Unruhe und Nervosität.

Wie kann eine Sucht behandelt werden?

Erstmal muss derjenige, der süchtig ist, das wollen. Bei einer Sucht kann man körperlich und psychisch süchtig sein. Meist ist die körperliche Abhängigkeit einfacher zu behandeln. Beim Alkohol macht man einen Entzug. Die psychische Abhängigkeit ist aber viel schwieriger zu überwinden. Man denke an den Raucher: Das Nikotin ist schnell aus dem Körper raus, aber wie lange machen sie rum, bis sie nicht mehr rauchen? Da werden meist viele Versuche unternommen, mit dem Rauchen aufzuhören.

Glauben Sie, dass die Mediensucht bei Jugendlichen in der Zukunft noch größer werden könnte?

Ich denke, das Interesse daran wird weiter steigen. Für die Jugendlichen gibt es nur noch von den Eltern verplante Freizeit. Aber jede Jugendkultur sucht ihren Freiraum. Das Internet ist meiner Meinung nach tatsächlich der einzige Freiraum ohne Einmischung durch Erwachsene.

 

Zur Person: Birgit Englert Birgit Englert aus Glattbach (Kreis Aschaffenburg) ist Sozialpädagogin und arbeitet im Landratsamt Miltenberg als Fachkraft für Suchtprävention. Die 51-Jährige macht unter anderem Schulungen für Schulklassen, Pädagogen und Kindergärtner sowie Öffentlichkeitsarbeit.

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So viele Beschwerden wie noch nie

Jens Marco Scherf: Miltenberger Landrat spricht über Corona-Zeit

Gab es viele Beschwerden in der Corona-Zeit?

Ja, sehr viele, so viele wie noch nie zu einem Thema.

Was haben Menschen als besonders unverhältnismäßig gefunden?

Die Schließung von Geschäften. Da war das große Problem, dass wir an der Ländergrenze leben. Was da als unverhältnismäßig empfunden wurde: Warum ist etwas in Hessen erlaubt und bei uns nicht? Was Bürger vor einem Jahr ebenfalls enorm aufgeregt hat, war das Tragen von Masken. Dazu habe ich im vergangenen Herbst unheimlich viele Nachfragen bekommen.

Haben Sie eine Corona-Maßnahme, die Sie umsetzen mussten, als nicht angemessen empfunden?

Da gibt es einige (lacht). Was mich im Frühjahr 2021 sehr belastet hat, war, wie lange es gedauert hat, bis sich Kinder und Jugendliche in den Vereinen und in der Freizeit wieder treffen durften. Ich hätte mir auch gewünscht, dass kritisch hinterfragt wird, ob eine Schulschließung über so viele Monate wirklich sinnvoll ist. Das ist dann das Dilemma: Es sind landesweite Regelungen und die muss man am Ende als staatliche Behörde korrekt umsetzen.

 

Zur Person: Jens Marco Scherf
Jens Marco Scherf (Grüne) ist seit 2014 Landrat im Kreis Miltenberg. Der 47-Jährige hat zuvor als Haupt- und Mittelschullehrer gearbeitet. Das Landratsamt ist auch eine staatliche Behörde. »Wir setzen um, was in Berlin und vor allem in München entschieden wird«, so Scherf. Er sagt von sich, er sei Landrat geworden, um Verantwortung zu übernehmen: »Ich wollte nicht nur zuschauen, sondern Dinge verändern.«

 

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Schwerpunkt – Mitbestimmung in Extremen


Alle 5 Jahre wählen bayerische Bürger*innen den Landtag. Doch wie sieht es mit der demokratischen Mitbestimmung in Alltag aus? Wir suchen nach Antworten an Orten, in der Mitbestimmung für kurz oder lang eingegrenzt werden. Wieviel Mitbestimmung hat ein Bürger im Rettungswagen? Dürfen Gefängnisinsassen wählen, und wie sieht es mit der Mitbestimmung innerhalb eines Gefängnisses aus? Wie muss ein Wohnheim architektonisch gestaltet sein, damit der Diskurs zwischen den Bewohner*innen angeregt wird? Und kann man verlernen seine Meinung zu äußern?

Ab dem 08.03. haben sich Jungredakteur*innen aus Vaterstetten das Schwerpunktthema journalistisch erarbeitet. Die Themenseite wurde am 12.03 in der Süddeutschen Zeitung  veröffentlicht. Ein Radiomagazin wurde im Rundfunk in Kooperation mit der EFA mehrfach ausgestrahlt. Für den 12.03.  produzierten sie eine Life-Talkshow mit .

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Schwerpunkt Mitbestimmung – Impressum

Diese Themenseite, ein Radiomagazin der Evangelischen Funkagentur (gesendet auf Radio Lola und auf Charivari) und eine Szenische Talkshow  sind das Ergebnis des
Projekts „Volo“. Jugendliche der Mittelschule Vaterstetten haben sich eine Woche lang mit dem Thema „Mitbestimmung in Extremen“ beschäftigt.

Die SZ-Seite entstand unter der Leitung von Johanna Feckl.  Die Life-Talkshow  leitete
Jean-Francois Drozak.  Die Radiogruppe leitete Roland Rosenbauer. Die Jungredakteur*innen sind aus der Klasse 10 M

 

 

 

Projektträger: Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit.

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Ehrenamt machts möglich

Die 47-jährige Britta Jörgens hat sich nicht nur dazu entschieden, als Architektin zu arbeiten, sondern auch, sich ehrenamtlich für geflüchtete Menschen zu engagieren. Sowohl in ihrem Hauptberuf als auch in ihrem Ehrenamt ist die Baldhamerin permanent mit Themen rund um Selbst- und Mitbestimmung konfrontiert.

Wie genau das aussieht, erzählt sie im SZ-Gespräch.

SZ: Frau Jörgens, dürfen Sie selbst entscheiden, welche Aufträge Sie übernehmen?

Britta Jörgens:Momentanarbeite ich zweigeteilt: Auf der einen Seite bin ich halbtags angestellt in einer Firma. Da entscheidet natürlich der Chef, welche Aufträge gemacht werden. Den zweiten Teil arbeite ich freiberuflich und dementsprechend ist dann sozusagen alles meine Entscheidung – dort bin ich meine eigene Chefin.

Sie können also zum Teil über Aufträge entscheiden. Wie sieht es mit der Entscheidungsfähigkeit des Auftraggebers aus: Inwiefern kann er darüber bestimmen, wie das Gebäude am Ende aussehen soll?

Es bleibt immer das Bauvorhaben des Auftraggebers. Mein Job ist es, ihm zu helfen, dass es so wird, wie er das möchte. Diese Vorstellungen muss ich mit bestimmten Einschränkungen umsetzen, beispielsweise im vorgegebenen Kostenrahmen oder in Bezug auf Brandschutzverordnungen.

Neben Ihrem Hauptberuf als Architektin haben Sie sich entschieden, auch ehrenamtlich zu arbeiten. Wie kam es dazu?

Ach, das ist schon lange her und war eigentlich Zufall: Vor vielen Jahren hatte ich mit einem meiner Kinder an einem Babyschwimmkurs teilgenommen. Die Kursleitung konnte ihn dann aber leider nicht mehr weiter führen – also habe ich das kurzerhand übernommen. Andernfalls hätte es gar keinen Kurs mehr gegeben, das wäre sehr Schade gewesen. So bin ich dann ehrenamtliche Übungsleiterin beim TSV Vaterstetten geworden.

Mittlerweile engagieren Sie sich ehrenamtlich auch intensiv für Flüchtlinge. Warum machen Sie das nicht hauptberuflich?

Ich liebe meinen Beruf als Architektin einfach und deshalb ist es mir auch wichtig, dass das mein Haupt-Themenfeld bleibt. Die Arbeit mit Flüchtlingen habe ich ja nicht richtig gelernt, da habe ich keine Ausbildung. Deswegen kam es mir auch nie in den Sinn, das hauptberuflich zu machen. Ich möchte frei in meiner Entscheidung sein, wie viel und wie intensiv ich helfe.

Dürfen die Flüchtlinge selbst über ihren Ausbildungsplatz entscheiden?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Die Politik kategorisiert Flüchtlinge nach ihren Herkunftsländern. Es gibt sogenannte unsichere und sichere Länder, ein sicheres wäre zum Beispiel der Senegal. Menschen, die aus diesem Land kommen, müssten Deutschland eigentlich wieder verlassen und in den Senegal zurück, aber die Abschiebungen werden aus politischen Gründen derzeit nicht durchgeführt. Sie bleiben also erst einmal hier. Hier aber wird ihnen das Leben schon recht schwer gemacht, sie dürfen beispielsweise in der Regel nicht arbeiten. Nur mit großem Aufwand und viel Glück ist das möglich. Wenn es ihnen aber erlaubt wird, dann dürfen sie auch frei über den Beruf entscheiden.

Kommen wir noch einmal auf Ihre Arbeit als Architektin zu sprechen: Sind Ihre Erwartungen, die Sie vor Ihrem Studium an den Beruf hatten, erfüllt worden?

Man stellt sich oft vor, ein großer Star-Architekt zu werden. Auch ich habe mir das einmal gewünscht. Das wurde zwar nicht erfüllt, aber ehrlich gesagt möchte ich das heute auch gar nicht mehr. Ich habe schon viele verschiedene Sachen gemacht und ich finde es deutlich spannender, nicht so Ruhm einbringende, aber kompliziertere Aufträge anzunehmen und umzusetzen.

Interview: Alexandra Moldovan, Robin Heininger und Maxime Schächinger

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